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Unerhörte Rede von und mit Gott ?
Höreindrücke von der CD „unerhört !?!“ mit Texten von Angelika Wildegger, musikalisch gestaltet von Matthias Graf.
Die CD „unerhört !?! Reden von und mit Gott“ präsentiert ein großes Feld von Gedanken, Gebeten und Anregungen von Angelika Wildegger. Die Autorin spricht zwanzig eigene Texte, die theologisch unter die Haut gehen, die aufrütteln oder still machen.
Manche verbreiten eine Art inneren Frieden, manche lassen einen erstaunt den Kopf schütteln,
wie vielbedeutend Worte sein können.
Angelika Wildegger spart keine Nuance der Gedankenwelt aus:
von Naturbetrachtungen, die einen Gottesdienst im Kleinen darstellen (z.B. Birke, Weide oder Ohrmuschel),
über Aphorismen, die philosophische Hintergedanken der Autorin wiedergeben (Entblätterung, Freigelände oder Zukunftsvision)
bis hin zu innigen Gebeten, die durch die jeweils folgenden kurzen musikalischen Überleitungen an Intensität noch
gewinnen (Bethlehem, JHWH, Mutter Gott). Wer kann das fast 40 Minuten aushalten?
Keiner, denn so wortreich und manchmal auch zu wortgewaltig kommen die Texte nacheinander,
gerade der Anfang der CD überrascht und hinterlässt zunächst einige Fragezeichen beim Zuhörer.
Das wird aber auch nicht vom Hörer einer „Lyrik-CD“ erwartet!
Happenweise genießt man die protestantische Tradition von der Bedeutung des Wortes,
um sich nicht „geistig zu verschlucken“.
Ganz ausgezeichnet sind dazu die treffend ausgewählten Musikstücke zwischen den Texten geeignet.
Einfühlsam und ungeheuer abwechslungsreich nutzt Matthias Graf die Bandbreite seiner musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten,
jeweils hervorragend auf den Text abgestimmt, der vorausgeht. Immer trifft er den „richtigen Ton“,
um das Gehörte nachklingen zu lassen oder aber, um die Zerrbilder, die die Worte erzeugt haben, nachzuzeichnen.
Leider stimmt die Nummerierung des Booklets nicht mit der der CD Hülle überein,
sodass eine gezielte Suche der einzelnen Texte erschwert wird,
das ist aber in sofern nicht so schlimm, als man die CD ohnehin am Besten von vorne nach hinten durchhört,
oder einfach irgendwo einsetzt und die bewusst gemischte Reihenfolge der Texte so lange auf sich wirken lässt,
wie man deren Inhalt aufnehmen kann.
Für Meditationszwecke sind die Texte und vor Allem die musikalischen Überleitungen zu aufregend.
Die CD macht eher wach. Sie regt zum besseren Hinhören im alltäglichen Redefluss des christlich-kirchlichen Lebens an:
Viele Wendungen begegnen uns in kirchlichen Handlungen, Gebeten und Schriften wieder.
Allerdings sind fundierte Hebräischkenntnisse oder aber ein theologisches Grundwissen hilfreich zum
Verständnis der hebräischen Andeutungen wie z.B. zur Entschlüsselung der Überschrift des Gedichtes JHWH (= Jachwe).
Eine CD, die man oft einlegen muss, um die ganze Tiefe ausschöpfen zu können,
die aber ihren Wert nicht so schnell verliert, wie die Technik, mit der man sie abspielen muss...
Dezember 2006, Christof Ortlieb (Nürnberg) | |